Jeder Kunde wurde bereits an der Kasse schonmal mit der Frage nach der Nummer des Einkaufswagens konfrontiert. Die Kassierer(-innen) einer der größten Supermarktketten Deutschlands können den eigentlichen Kassiervorgang erst starten, wenn sie die Nummer des Einkaufswagens in das Kassensystem eingegeben haben. Anhand dieser einzigartigen Identitätsnummer kann sofort festgestellt werden, wie häufig der betreffende Einkaufswagen genutzt wird und welchen Weg er vom Abstellort in den Markt findet.

Aus diesen Erkenntnissen sammelt der Betreiber offensichtlich enorme Datenmengen. So ist z. B. festzustellen, wie oft der Einkaufswagen mit der Nummer 43-34342 täglich genutzt wird, wo er abgestellt wird und wie hoch der durchschnittliche Umsatz ist, den er transportiert. Ebenso die zeitlichen Abstände zwischen zwei Nutzungen werden getrackt.

In Verbindung mit der Abfrage der Kunden-Postleitzahl, der Nutzung von Punktekarten oder Treuepunkten ist dann zusätzlich die Verbindung zum Kunden festgehalten. Datenschützer laufen bereits Sturm und fordern die sofortige Abschaffung dieser Bewegungsprofile für Einkaufswagen.

Die Marketingexperten des Konzernz erhoffen sich so eine Umsatzsteigerung, indem sie die umsatzschwachen Einkaufswagen nach und nach austauschen, bzw. durch Parkplatzmitarbeiter „nach hinten stellen“ lassen. Diese Mitarbeiter erkennt man immer daran, dass sie auf den Kaufhausparkplätzen Einkaufswagenkolonnen massenweise von A nach B verschieben.

Günther Schiebmich (Datenschutzbeauftrager vom Verband der Einkaufswagenhersteller VfEh) zu Neue Weltpresse:

Es kann nicht sein, dass ein wehrloser Einkaufswagen schamlos ausgenutzt wird, um dessen Bewegungsprofil zu erstellen. Jedem Einkaufswagen soll doch freigestellt sein, wie oft er benutzt wird und wieviel Ware (Umsatz) er im Markt transportiert. Wir fordern die sofortige Beendigung dieser Datenkrake.

Der Konzern selbst wollte sich bislang nicht zu den Vorwürfen äußern, sagte aber eine kurzfristige Stellungnahme zu.